Bedenkliche Vorwürfe an Bundesamt und Nagra:

Mit Zeitungsenten gegen Kernenergie

Manchen Kernenergiegegnern und ihren Sprachrohren scheinen die Argumente auszugehen. Viele Menschen auch in unserem Lande merken, wie übertrieben die Erwartungen an die Alternativenergien sind und welche klimatischen, finanziellen und vor allem auch versorgungsmässig schlimmen Konsequenzen dieser überhastete (vorläufige) Ausstiegsbeschluss haben würde. Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wissen, dass ein solch epochaler Unfall in Japan nicht einfach auf den Rest der Welt und gar auf unser Land übertragen werden kann. Gerade Schweizer KKWs sind sehr sicher und laufend nachgerüstet; auch gegen starke Erdbeben und viel Hochwasser (man kann natürlich immer extremste Ereignisse konstruieren).

Obwohl in gewissen Bereichen hochtechnisiert, tickt in Japan bekanntlich vieles anders; mit ganz anderen Strukturen zwischen Bürokratie, Wirtschaft und Politik. Trotzdem ist es unglaublich, dass in Fukushima die Massnahmen gegen zu erwartende Tsunamis so vernachlässigt wurden und auch aus den Vorfällen im amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island 1979 keine Lehren gezogen wurden.

Boshafte Zeitungsente
Sommerloch und die endlich etwas abgeflaute Hysteriewelle bewogen die "Sonntags-Zeitung" zu einer veritablen Zeitungsente: Die "Neuigkeit", in einem künftigen Tiefenlager für radioaktive Abfälle würden angelieferte Brennstäbe neu verpackt, wurde wie eine bevorstehende Katastrophe angekündigt und sogleich von sehr vielen Medien mehr oder weniger effektvoll abgeschrieben (Titel wie "Atomfarbrik" sind mehr als boshaft!). Wahr ist, dass Nagra und Bundesamt immer wieder auch über diesen Vorgang informiert haben; Fachleute und Medien Bescheid wussten, und der solchermassen hochgespielte Vorgang ist übrigens derselbe, wie er seit vielen Jahren im Zwischenlager in Würenlingen durchgeführt wird. Dort stehen die fertig verpackten Fässer mit den Brennelementen - für jedermann einsehbar - in einer Halle und warten auf ihre endgültige Lagerung in vielleicht 50 Jahren...!

Grossbritannien auf Kurs für neue Kernkraftwerke....und das Tiefenlager

Die britische Regierung hat am 23. Juni 2011 die überarbeiteten nationalen Energie-Planungsrichtlinien veröffentlicht. Zuvor fand eine umfassende öffentliche Vernehmlassung statt, die zu über 2500 Stellungnahmen führte. Als nächster Schritt muss das Parlament über die Richtlinien beraten. Die nationale Nuklear-Planungsrichtlinie nennt acht potenzielle Standorte im ganzen Land, die für den Bau neuer Kernkraftwerke bis 2025 geeignet sind. Energieminister Charles Hendry betonte bei der Vorstellung der Richtlinien, dass sie ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer sicheren, erschwinglichen und kohlenstoffarmen Energieversorgung sind. Laut eines Berichts des Ministeriums für Unternehmen und Innovation werden umgerechnet mindestens 23 Milliarden Franken benötigt, um bis 2020 in Grossbritannien 6000 Megawatt neue Kernkraftwerkskapazität zu bauen. Das Geld muss gemäss Regierung vollumfänglich von der Privatwirtschaft aufgebracht werden. Für die Umstrukturierung in eine klimafreundlichere Wirtschaft sind im gesamten Energiesektor bis 2020 Investitionen von 274 Milliarden Franken nötig.

Der britische Energieminister Charles Hendry will bereits 2029 ein Tiefenlager für radioaktive Abfälle in Betrieb nehmen – zehn Jahre früher als bisher geplant. Dazu hat er die dafür zuständige Behörde beauftragt, alle Möglichkeiten zur Beschleunigung des Verfahrens auszuschöpfen.
Im Vernehmlassungsprozess können sich bis zum 30. September 2011 Gemeinden melden, die sich als Standort für das Tiefenlager zur Verfügung stellen. Drei Gemeinden haben dies bereits getan.

Die unhaltbaren Vorwürfe an die Nagra sind deplatziert. Die Genossenschaft gehört weltweit zu den besten, anerkanntesten Unternehmen für die Erforschung der sicheren Lagerung radioaktiver Abfälle. Nicht umsonst beteiligen sich rund zwanzig Partnerorganisationen, Universitäten, Institute und Firmen aus über 10 Ländern an diesen Untersuchungen in der Schweiz.

Den fast missionarischen unter den Gegnern sei ein Wort von alt Bundesrat Leuenberger ins Gedächtnis gerufen: «Egal, ob wir für oder gegen Kernkraft sind; egal, ob wir Strom aus KKW brauchen oder nicht; egal, ob wir seinerzeit für oder gegen KKW demonstriert haben: Alle von uns tragen die Verantwortung für die sichere Entsorgung der radioaktiven Abfälle. Die kollektive Verantwortung kommt vor der individuellen Gesinnung.» Wie recht er hat, aber dazu braucht es Verstand und auch Anstand!


Siehe auch Nagra-Homepage (http://www.nagra.ch/g3.cms/s_page/80760/s_name/tlhaa) als auch im öffentlich zugänglichen Nagra Technischen Bericht NTB 08-01 (http://www.nagra.ch/g3.cms/s_page/78080/s_name/shopproduktdetail/s_level/
10190/s_product/20801
; Seite 33) oder der Broschüre «Was kommt auf die Regionen zu?» (http://www.nagra.ch/g3.cms/s_page/78080/s_name/shopproduktdetail/s_level/
10200/s_product/5512
; Seite 7) wird das Thema der Umverpackung hochaktiver Abfälle an der Empfangsanlage eines geologischen Tiefenlagers thematisiert. Alle Dokumente sind den Behörden aber auch der Öffentlichkeit frei zugänglich.

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