Beurteilung Medienberichterstattung zur CANUPIS-Studie:

"Kein erhöhtes Krebsrisiko für Kleinkinder in der Umgebung von AKW"

Die grosse Mehrheit der Medien, und zwar Print- und elektronische Medien, haben als Schlagzeile und im Lead die Nachricht „Kein erhöhtes Krebsrisiko für Kleinkinder in der Umgebung von AKW“ gebracht. Ausnahmen in der Deutschweiz waren „20 Minuten“, „Die Südostschweiz“ und, natürlich, die „WoZ“. Relativierungen beziehungsweise Erläuterungen zur statistischen Signifikanz des Ergebnisses folgten meist erst im Textteil der Beiträge.

Radio DRS 1 hat am Tag der Pressekonferenz ausführlich in den Nachrichten um 12.30 Uhr, im anschliessenden „Rendez-vous am Mittag“ und am Abend im „Echo der Zeit“ berichtet. Prof. Dr. med. Felix Niggli, Mitglied der „Arbeitsgruppe Kinderleukämie und ionisierende Strahlung“ des FME, konnte im „Rendez-vous am Mittag“ ein längeres Interview geben, das darin gipfelte, dass der Interviewer ihn fragte, in welche Richtung denn künftig geforscht werden müsse, nachdem die Kernkraftwerke als Verursacher der Kinderleukämie weggefallen seien. (!) Es war nach unserer Auffassung wichtig, dass dieser erste Beitrag in den Nachrichten und im „Rendez-vous am Mittag“ gleich in diese Richtung ging und dass diese Redaktion von der Beurteilung der Studienleitung überzeugt war und die anderen Medien diese Einschätzung ebenfalls übernahmen bzw. sich davon leiten lassen konnten.
In allen Nachrichten der elektronischen Medien kam der Studienleiter, Prof. Matthias Egger, zu Wort. Er hatte im Allgemeinen gute und bestimmte Auftritte und machte deutlich, dass die Studie keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen AKW und erhöhtem Krebsrisiko bei Kindern ergeben hätte. Es gebe gute Gründe für die Annahme, dass die festgestellte Erhöhung aufgrund der geringen Fallzahl zufällig sei. Nicht zuletzt aufgrund dieser klaren Aussagen der Studienleitung dürften einzelne Medien zum Schluss gekommen sein, es brauche jetzt schon auch noch eine kritische Meinung, nicht zuletzt auch aufgrund der journalistischen Gepflogenheiten.

Verschiedentlich sagten die Medienschaffenden sogar offen, unter anderem auch in der Hauptausgabe der Tagesschau, dass sie vom Ergebnis der Studie überrascht seien. Aufgrund der 2007 publizierten KiKK-Studie hätten sie ein anderes Resultat, also ein nachweisbares mindestens doppelt so hohes Risiko, erwartet. Das Bedürfnis vieler Medien nach einem Kontrapunkt gab dem Präsidenten der IPPNW Gelegenheit zu verschiedenen Auftritten, was als leichtes Manko innerhalb der ganzen Übung betrachtet werden kann. Schade war umgekehrt für das FME, dass zum Beispiel das Interview der Tagesschau mit Prof. Niggli kurzfristig aus der Sendung gekippt wurde mit der Begründung, die Zeit sei immer knapp und zudem habe er Ähnliches gesagt wie schon die Studienleitung. Trotz aller Überraschung und Gegenpositionen kam die BoTschaft „Kein höheres Risiko“ insgesamt in allen elektronischen und digitalen Medien deutlich zum Ausdruck.

Dafür spricht auch der Umstand, dass die Sonntagsmedien das Thema CANUPIS-Studie nicht mehr aufgenommen haben. Obwohl sowohl seitens FME als auch seitens IPPNW nochmals Stellungnahmen verschickt worden waren. Denn IPPNW hatte in der Zwischenzeit „entdeckt“, dass gemäss Studie das Risiko für Kinderleukämie um 41% erhöht sei, wenn man den Wohnort zum Zeitpunkt der Diagnose der Krankheit betrachtet. (20% zum Zeitpunkt der Geburt, also zu einem früheren Zeitpunkt.) Die Organisation hatte sich aber bereits in einige Widersprüche verwickelt: einerseits betont sie, es gebe zu wenig Fälle für ein signifikantes Resultat, während sie gleichzeitig mit Nachdruck ein bestimmtes, für sie günstiges Ergebnis, herausstreicht. Und: zuerst kritisiert sie, dass die Studie den Wohnort der Mütter während der Schwangerschaft nicht erfasst habe, weil die Zeit der Schwangerschaft entscheidend. Am Tag nach der Pressekonferenz übernahmen praktisch alle wichtigen Tageszeitungen in der ganzen Schweiz diese Auffassung. In der Westschweiz gab es zum Teil fast noch klarere Schlagzeilen als in der Deutschschweiz. („Une étude blanchit les centrales“) Einzige „Ausreisser“ waren, wie bereits erwähnt, „Die Südostschweiz“ und „20 Minuten“, welche die Aussagekraft der Studie in Zweifel zogen und damit die Argumente der IPPNW, erklärte Gegner der Kernenergie, aufnahmen. Auch bei den Printmedien kam IPPNW einige Male zu Wort, was dem Bedürfnis der Medien entspricht, einen Kontrapunkt einzubauen. Nach unserer B
In zum Teil kurzen Beiträgen haben einige Medien in Deutschland und Österreich auch über die CANUPIS-Studie berichtet. Sie folgten meist der von der Studienleitung vorgezeichneten Linie und vermerkten den Unterschied zur deutschen KiKK-Studie von 2007.

Der Umstand, dass Unternehmen der Branche die Studie mitfinanziert haben, gab nicht viel zu reden. Hier waren das BAG und die Krebsliga gefordert, welche den Sachverhalt erklärten bzw. allfällige ungerechtfertigte Verdächtigungen der Einflussnahme richtig stellten. Wichtig war zudem, dass das Bundesamt für Gesundheit an der PK teilnahm und den Medien anschliessend für Fragen zur Verfügung stand. So waren die verantwortlichen Behörden sichtbar eingebunden und machten deutlich, dass sie hinter den Ergebnissen der Studie stehen.

Insgesamt haben die Medien in ihrer Berichterstattung das Ergebnis der Studie fair widergegeben und relativ ausgewogen über dieses umstrittene Thema berichtet. Versuche der Gegner der Kernenergie, das Thema wiederzubeleben bzw. weiter am Kochen zu halten, sind bisher nicht erfolgreich gewesen.

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